Silvius Magnago hat das scheinbar Unvereinbare auf bewundernswerte Weise zu vereinen verstanden. Er hat es vermocht, durch Jahrzehnte für die Sache der Südtiroler deutscher und ladinischer Muttersprache zu streiten, ohne ein einziges Mal zur Gewalt aufzurufen – ohne auch nur in den Verdacht zu geraten, den Weg der Gewalt stillschweigend gutzuheißen.
Gerade in den kritischen Jahren Anfang der 60er Jahre in denen Südtirol zu einem gewalttätigen Konflikt mitten in Europa zu werden drohte, wandte er sich mit Entschlossenheit gegen die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung. Es gelang ihm die Bevölkerung, die teilweise mit den Attentätern sympathisierte, durch seine starke Persönlichkeit und mit unermüdlichem Einsatz vom seinem friedlichem Weg zu überzeugen.
Er hat es verstanden, für das realistisch machbare einzutreten, ohne je Grundsätze zu opfern. Gewaltfreiheit, Korrektheit, Geduld, Ausgleich, Kompromissbereitschaft und gleichzeitig Hartnäckigkeit waren immer die Grundpfeiler seiner Politik. Er hat gezeigt, dass man engagiert und entschlossen erfolgreiche Politik machen kann, ohne undemokratische Mittel einsetzen zu müssen. Er hat das Format eines europäischen Staatsmannes, auch wenn er „nur“ Landeshauptmann einer kleinen Provinz war.